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Kühlschmierstoffe

Einteilung der Kühlschmierstoffe nach VDI-Richtlinie 3396

Die VDI-Richtlinie unterteilt in nichtwassermischbare und wassermischbare Kühlschmierstoffe. Die wassermischbaren Kühlschmierstoffe werden noch einmal in Kühlschmierstoff-Emulsionen und Kühlschmierstoff-Lösungen unterschieden.


Kuehlschmierstoffe_I

Vorteile beim Schleifen mit Oel

Während beim konventionellen Schleifen vielfach Kühlschmierstoff-Lösungen und -Emulsionen - vor allem zur Kühlung des Prozesses - verwendet werden, kommen mit steigenden Schleifgeschwindigkeiten und Zerspanleistungen überwiegend Kühlschmierstoffe (KSS) mit ausgeprägten reibungsmindernden Eigenschaften. Dadurch ergeben sich erhebliche Vorteile.

Mit dem Einsatz von Öl gegenüber wassermischbaren Kühlschmierstoffen verdoppelt oder verdreifacht sich das Zeitspanvolumen - die Arbeitsprozesse verkürzen sich. bei einem gleich großen Zeitspanvolumen sinkt daher der Leistungsbedarf der Maschine um ca. 60%. diese Aussage gilt für alle Werkstücke aus Stahl oder
HSS. In Abbildung 11 auf Seite 12 ist der relative Leistungsbedarf in Abhängigkeit des verwendeten
Kühlschmierstoffes dargestellt. Je höher die Schmierwirkung des verwendeten Kühlschmierstoffes, desto geringer ist der Leistungsbedarf. Deutlich ist zu sehen, dass Trockenschliff den höchsten Leistungsbedarf
erfordert. Den geringsten Leistungsbedarf hat ein Schleiföl, das mit ANTIWEAR (Antiverschleiß) und EXTREME PRESSURE (Hochdruck) -Zusätzen ausgerüstet ist
.

 

Relativer Leistungsbedarf in Abhängigkeit des verwendeten
Kühlschmierstoffes

Bei Hartmetallbearbeitung mit Diamantscheiben ist nur eine geringe Leistungssteigerung möglich, da die Schleifgeschwindigkeit aus Temperaturgründen nicht über 30m/sec gesteigert werden kann. Bei Temperaturen 750° zerfällt der Diamant in sein Kohlenstoffgitter. Seine größte Wirkhärte erreicht der Diamant bereits bei ca. 25m/sec. Nur bei Punktberührung und Diamantscheibendurchmessern von 400mm ist eine Schleifgeschwindigkeit von bis zu 140m/sec möglich.

Messungen der effektiven Tangentialkraft zeigen ebenfalls, dass die höchste Tangentialkraft beim Trockenschliff und die geringste Tangentialkraft mit einem hochlegierten Schleiföl erreicht wird.

 

Effektive Tangentialkraft F und Normalkraft F in Abhänigkeit des
verwendeten Kühlschmierstoffe
s

Tengentialkraft und Normalkraft

 

Vorteile beim Schleifen mit Öl

  • Gesundheitliche Gesichtspunkte
  • Höhere Leistung
  • Wartungsfreie konstante Qualtität
  • Schonung der Maschine
  • Geringer Scheibenverschleiß
  • Verbesserung der
    Werkstückqualität

 

Maschinenkapselung

Bevor in eine Schleifmaschine Öl eingefüllt werden darf, muss zuerst überprüft werden, ob die Maschine gekapselt ist. Die Kapselung verhindert den unkontrollierten Austritt des Öls. Bei neuen Schleifmaschinen ist die Vollkapselung selbstverständlich.

Kühlmittelzuführung

Die Schleifscheibe und das Werkstück sollen zur Ausschaltung der Verpuffungsgefahr sehr gut mit Kühlschmierstoff überstült werden.

Kühlmittelkontrolle

Ein Strömungswächter muss bei Kühlmittelausfall die Maschine sofort abschalten. ein zusätzlicher
Niveauwächter kann verhindern, dass ein Öl-Luftgemisch in die Schleifkontaktzone gepumpt wird.

 

 

Aufbau von Schleifölen

Prinzipiell bestehen Schleiföle immer aus einer geeigneten Basisflüssigkeit, der je nach Einsatzzweck und Anforderungen unterschiedliche Wirkstoffe (Additive) zugegeben werden. Diese Basisflüssigkeiten können entweder durch Destillation und Raffination von Erdöl hergestellt werden oder synthetisch aus Gasen im
Syntheseofen, unter Anwendung eines Katalysators und Einwirkung von Druck und Hitze. Synthetische Produkte gewährleisten einen nicht zu überbietenden Reinheitsgrad. Es können genau die Molekülketten zusammengebaut werden, die für den jeweiligen Verwendungszweck geeignet sind.

 

Herstellung von Kohlenwasserstoffverbindungen

 

 

 

 

 

Additive

Friction Modifier

Reibungsverringerer (Friction Modifier) lagern sich an Metalloberflächen ab und verringern die Reibung zwischen ihnen. Neben den bereits als Basisflüssigkeiten beschriebenen Carbonsäureestern und Fettalkoholen kommen Carbonsäuren, Amin- und Amidverbindungen zum Einsatz.

Anti-Wear-Additive

Verschleisschutzwirkstoffe (Anti-Wear-Additive) bilden durch Reaktion mit Metalloberflächen plastisch deformierbare Schichten, welche den Verschleiß zwischen den tribologisch beanspruchten Reibpartnern vermindern. Sie werden unterteilt in aschegebende und aschefreie Produkte.

Antioxidaten

Die Alterung von Schmierstoffen wird vor allem durch den Kontaktmit Luftsauerstoff verursacht. Besonders Kühlschmierstoffe für Hochgeschwindigkeits- Schleifoperationen sind meist einer hohen thermischen Belastung ausgesetzt. Als negative Effekte dieser Oxidation ist ein Anstieg von sauren Bestandteilen und somit eine steigende Aggressivität gegenüber Lacken, Elastomeren und Metallen zu beobachten. Auch können gealterte Kühlschmierstoffbestandteile Verharzungen verursachen und einen unangenehmen Geruch bewirken.

 

 

 

 

 

oelheld GmbH, Ulmer Straße 135-139, 70188 Stuttgart
Tel.: 0711/ 168 63-0, Fax: 0711/ 168 63-40, hutec@oelheld.de

 

 

Aufgaben und Zweck von Kühlschmierstoffen

Unter den spanenden Bearbeitungsverfahren findet man kaum eines, das hinsichtlich der Anzahl von Einflussgrößen und ihrer Zusammenhänge vergleichbar ist mit dem Schleifen. Schon der dem Schleifen aufgeprägte Begriff „Zerspanung mit undefinierter Schneide“ lässt ahnen, was damit ausgedrückt werden sollte. Jede Änderung nur eines der unten aufgeführten Parameter kann empfindliche Störungen des gesamten Schleifprozesses nach sich ziehen.


Kuehlschmierstoffe_II

 

Geringer Schleifscheibenverschleiß

Mit Öl leben die teuren Schleifscheiben bis zu fünfmal länger. Die Abrichtscheiben verlängern sich beachtlich. Dies gilt sowohl für Korund-, CBN- und Diamantscheiben. Der ganze Schleifprozess bekommt eine höhere Produktionssicherheit, eine bessere Wiederholgenauigkeit und durch die längeren Abrichtzyklen wird teures Scheibenmaterial
gespart.

Verbesserung der Werkstückqualität

Mit Öl verbessert sich die Oberflächenqualität der Werkstücke.

Die geringe Abschreckwirkung von Öl führt zu weniger Gefügebeeinflussung (Keine Haarrisse). Es wird damit eine nahezu 100-prozentige Produktionssicherheit bei der Herstellung von Hartmetallwerkzeugen erreicht. Die Beschichtungen von Hartmetallen leben länger und platzen nicht ab. Kobaltauswaschungen gibt es beim Öleinsatz nicht.

 

Relative Scheibenstandzeit in Abhängigkeit des verwendeten
Kühlschmierstoffes

Öl schmiert zusätzlich alle Maschinenelemente und greift Führungsbahnen nicht an. Es gewährt einen optimalen Rostschutz. Beim Einsatz von Öl sieht eine Schleifmaschine nach vielen Jahren noch sehr gut aus. Es gibt keine Lack- und Korrosionsschäden. beim Schleifen von Hartmetallen entsteht keine „schwarze Schicht“, die zum Ausfall der Maschine führen kann. Öl garantiert ständige Einsatzbereitschaft der Maschine und reduziert Stillstandszeiten.

Gesundheitliche Gesichtspunkte

Öle enthalten keine Biozide. sie werden von Bakterien, Pilzen und Hefen nicht angegriffen.
Es entstehen keine zusätzlichen Kosten für eine Nachkonservierung mit Bioziden. Beim Einsatz von Öl besteht nicht die Gefahr der Nitrosaminbildung (Nitrosamine gelten als krebsauslösend!). Öl löst keine Schwermetalle (z.B. Kobaltionen in Emulsionen oder Lösungen). Die Hauterkrankungen der Mitarbeiter gehen um 80 bis 90% zurück.

 

Voraussetzungen für das Schleifen mit Öl

  • Kühlmittelkontrolle
  • Kühlschmierstoffmenge
  • Ausreichende Kühlmittelzuführung
  • Maschinenkapselung
  • Ölbeständigkeit der Peripherie
  • Absaugung
  • Explosionsklappen
  • Feuerlöscheinrichtung

 

Absaugung

Zusätzlich sollte die Maschine mit einer Absaugeinrichtung versehen sein, um Öldämpfe,
Ölnebel und den Ölrauch abzuleiten, damit sie nicht den Bediener der Maschine beeinträchtigen. In der Praxis haben sich Luftfiltersysteme mit Prallblechen und Filtermatten sowie elektrostatische Filtersysteme mit zusätzlicher Aktivkohlefiltrierung
gut bewährt. Für elektrostatische Filtersysteme ist es empfehlenswert einen Wartungsvertrag abzuschließen, damit der Hochspannungsteil ständig
gereinigt wird. Für große Zentralluftfilteranlagen in Werkhallen eignen sich sogenannte Demistoren, die durch Versprühen von Öl auf Maschengewebe eine Luftreinigung herbeiführen.

Ölbeständigkeit

Alle Schlauchleitungen, Kabel und Dichtungensowie Endschalter aus Kunststoffen, Elastomeren oder Gummi müssen oelbeständig sein.

Kühlschmierstoffmenge

Aufgrund der geringen Wärmekapazität von Öl gegenüber wassermischbaren Kühlschmierstoffen sollte die Umlaufmenge verdoppelt werden. Be gleicher Umlaufmenge empfiehlt sich der Einbau eines Kühlaggregates.

Feuerlöscheinrichtungen

Öl ist brennbar! Jede Maschine muss daher mit einer automatischen Feuerlöscheinrichtung ausgerüstet sein.

Explosionsklappen

An der Oberseite der Maschinen müssen Explosionsklappen angebracht werden, um für den
äußerst seltenen Fall einer Verpuffung die Energie abzuleiten. Die Klappen sind so anzubringen, dass sie nach einer Verpuffung sofort selbständig wieder schließen und die Absaugung automatisch abschaltet.

 

Basisflüssigkeiten

Mineralölraffinate

Die direkt aus Erdöl gewonnenen Mineralölraffinate bilden zur Zeit noch den Hauptanteil der verwendeten Kohlenwasserstoff-Basisflüssigkeiten. Diese bestehen aus einem
bunten Gemisch von ketten- und ringförmigen Kohlenwasserstoffen. Sie enthalten
Doppelbindungen, die bei thermischer Belastung aufbrechen und den Kühlschmierstoff rasch altern lassen.


Hydrocracköle

Mineraloelraffinate können mit Wasserstoff zu den sogenannten Hydrocrackoelen veredelt werden. Die so hergestellten Produkte zeichnen sich im Vergleich zu Mineraloelraffinaten durch einen höheren Viskositätsindex aus. Ein weiterer Vorteil der Hydrocrackoele liegt in ihrer geringeren Verdampfungs- und Verneblungsneigung aufgrund der homogeneren Molekülgrößenverteilung. Beim Einsatz dieser Produkte kann die Kohlenwasserstoffemission am Arbeitsplatz reduziert werden.

Esteröle

Neben den Kohlenwasserstoffen werden auch Carbonsäureester als Basisflüssigkeiten für
Kühlschmierstoffe verwendet. Diese können in synthetische Produkte und solche natürlichen Ursprungs (Pflanzenöle, tierische Fette) unterteilt werden. Ihre Verdampfungsneigung ist noch geringer als die der Polyalphaolefine. Natürliche Ester sind gut biologisch abbaubar, allerdings ist ihre Alterungsbeständigkeit gering.

Die Oxidationsstabilität von Schmierstoffen auf der Basis synthetischer Ester ist bei geeigneter Auswahl wesentlich besser, da hier gesättigte Produkte von hohem Reinheitsgrad verfügbar sind. Sie können daher auch zur Formulierung von Kühlschmierstoffen für eine Umlaufkühlung verwendet werden. Allerdings sind diese Verbindungen oft nicht mehr so gut biologisch abbaubar. auch die Stabilität gegen Hydrolyse (in Gegenwart von Wasser spaltet sich der ester in Alkohol und Säure) kann durch die Verwendung sterisch gehinderter synthetischer Ester verbessert werden.

Ein generelles Problem der Schmierstoffe auf Esterbasis ist Ihre geringere Verträglichkeit mit Elastomeren und Lacken. Besonders die niedrigviskosen Ester, die aufgrund ihres guten Spülvermögens als Basisflüssigkeiten für Schleiföle verwendet werden, verhalten sich vielen Dichtungs- und Isoliermaterialien gegenüber agressiv.

Polyalphaoelfine (PAO)

Polyalphaolefine sind synthetisch hergestellte Schmierstoffe mit exzellenten Eigenschaften.
Als Basisoele werden sie im Rennsport unter extrmen Bedingungen der Formel 1 eingesetzt.
Als Kühlschmierstoff zeichnen sie sich durch eine minimale Verdunstung, einen hohen
Flammpunkt bei niedriger Viskosität und einen grossen Viskositätsindex aus. Sie besitzen eine ausgezeichnete Scher- und Alterungsstabilität. Durch die einheitliche Zusammensetzung ist die Verdunstungsneigung der PAO`s wesentlich geringer als bei Hydrocrackoelen. Kühlschmierstoffe auf der Basis von PAO eignen sich hervorragend für Hochleistungsschleifprozesse. Bei geeigneter Formulierung sind diese Kühlschmierstoffe sogar biologisch abbaubar.

 

 

EP-Additive

Fressschutzwirkstoffe (Extreme-Pressure-Additive) bilden durch Reaktion mit Metalloberflächen Verbindungen mit geringerer Scherfestigkeit und verhindern so Mikroverschweisungen zwischen den Metalloberflächen bei hohem Druck und hohen Temperaturen. Der Übergang zwischen AWund EP-Additiven ist fliesend; auch hier werden
reaktive Phosphorverbindungen, zusätzlich auch organische Schwefelverbindungen verwendet.

Dabei wird unterschieden zwischen geschwefelten Kohlenwasserstoffen (Polysulfide) und mit Schwefel umgesetzen Carbonsäureestern. Beide Typen lagern sich an die Metalloberfläche an und zersetzen sich bei höheren Temperaturen. die sogenannten aktiven Schwefeladditive reagieren hier früher als die inaktiven Sorten. Der dadurch freiwerdende Schwefel bildet mit dem Metall Sulfide, welche eine deutlich geringere Scherfestigkeit als das Metall selbst besitzen. Dieser Effekt bewirkt eine bessere Zerspanbarkeit des Werkstoffes und verhindert
ein Verschweißen mit der Werkzeugschneide.

Die bis vor einigen Jahren vielfach eingesetzten chlororganischen Verbindungen (Chlorparaffine) sind aus ökologischer und toxikologischer Sicht unbedenklich und werden heute weitgehend durch Schwefelverbindungen ersetzt.

Antinebeladditive

Um eine übermäßige Nebelbildung zu verhindern, werden den Produkten öllösliche kettenförmige Polymerverbindungen zugesetzt, die einer zu feinen Verteilung des Ölnebels entgegenwirken.